Der Krieger von Hirschlanden


 

Der Krieger von Hirschlanden ist eine Statue eines unbekleideten ithyphallischen Kriegers aus Sandstein. Es ist die älteste bisher gefundene eisenzeitliche lebensgroße anthropomorphe Statue nördlich der Alpen. Zeitlich kann der Krieger in die Hallstattzeit eingeordnet werden, vermutlich in das 6. Jahrhundert v. Chr. Zu sehen ist die Statue im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart.

Die Statue wurde 1963 in Hirschlanden bei der Ausgrabung eines kleineren Grabhügels mit etwa 32 Meter Durchmesser gefunden, heute ein Stadtteil von Ditzingen in Baden-Württemberg. Der Hügel war von einem Steinkreis und einer Trockenmauer umgeben. Es fanden sich 16 Beisetzungen − Männer und Frauen – aus der Zeit vom Beginn der Hallstattzeit (Hallstatt D1, etwa um 600 v. Chr.) bis zur La-Tène-Zeit etwa um 450 v. Chr. Die Statue wurde nördlich des Grabhügels gefunden, es wird aber vermutet, dass sie ursprünglich auf dem Hügel stand. Sie zeigt Verwitterungserscheinungen die beweisen, dass sie längere Zeit den Elementen ausgesetzt war, bevor sie unter die Erde kam. Erhalten blieb eine Höhe von 1,50 m, die Beine ab etwa der Mitte der Unterschenkel und die Füße fehlen. Eine Originalgröße von 1,70 m wurde rekonstruiert.

Der Krieger trägt einen nach oben spitzen Hut – eventuell mit dem Fund des Toten aus Hochdorf vergleichbar, aus Birkenrinde gefertigt - einen Torques und einen Gürtel mit einem typisch hallstattzeitlichen Dolch. Alle diese Symbole deuten auf einen höheren Rang des Abgebildeten.

Während die Beine sehr lebensnah und muskulös gefertigt wurden ist der Oberkörper nur recht schematisch ausgeführt. Noch schematischer zeigt sich das Gesicht. Dies führte zu Diskussionen, ob der Mann eine Maske tragen könnte, wie dies aus Bestattungen von Klein-Klein aus der Steiermark in Österreich und Trebenište (Makedonien) bekannt ist, wie auch von den allerdings viel älteren Schachtgräbern von Mykene (etwa um 1.500 v. Chr.). Die Deutung als Maske wird durch eng sitzende Augenhöhlen, eine flache Nase und einen Mundschlitz wahrscheinlich. Alle Gesichtszüge wirken etwas nach unten verschoben.

Auch ein griechischer Einfluss (kouroi) wurde diskutiert, zumal Handelsbeziehungen zu den griechischen Kolonien am Mittelmeer etwa nach Massilia (Marseille) nachgewiesen sind. Allerdings scheinen die Ähnlichkeiten im Stil mit Statuen aus Capestrano, Picenium, Ober-Italien (650-550 v. Chr.) und Casale Marittimo (Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr.) größer zu sein.

Aus Baden-Württemberg stammen noch zahlreiche weitere Funde solcher anthropomorpher Statuen, so etwa aus Rottenburg, Tübingen, Stammheim und Stockach, wobei diese allerdings noch stärker stilisiert sind. In der nachfolgenden La-Tène-Zeit wurden solche anthropomorphen Statuen weitaus häufiger, siehe die Funde vom Glauberg und das Raibacher Bild (Hessen), Holzgerlingen (Baden-Württemberg) und Mšeke Žehrovice (Böhmen).

 

 

 

 

 

Quelle und weitere Informationen

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